Biografische Skizze erschienen für Caroline Amelie

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Oberbürgermeister Knut Kreuch präsentiert im Karolinenhof seine neueste Publikation. (Foto: Lutz Ebhardt)

Zum 250. Geburtstag der letzten Herzogin von Sachsen-Gotha-Altenburg

Glückwunsch zum 250. Geburtstag in Gotha für eine Frau, die 44 Jahre lang im 19. Jahrhundert die Stadt Gotha prägte. Wir schreiben das Jahr 1802: Wenige Monate vor ihrem 31.Geburtstag lernt eine Prinzessin aus dem Hause Hessen-Kassel, Tochter des späteren ersten Kurfürsten und Enkeltochter des dänisch-norwegischen Königspaares, die thüringische Residenzstadt Gotha kennen. Es muss Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, denn die stolzen Anlagen von Schloss Friedenstein beeindruckten den „Liebling des Hauses Hessen und Sonnenstrahl des Vaters“ so sehr, dass sie sich Zeit ihres Lebens den Menschen dieser Stadt widmete.

Die Rede ist von Caroline Amelie Prinzessin von Hessen-Kassel (geboren am 11. Juli 1771), die am 3. Mai 1802 als zweite Ehefrau des damaligen Erbprinzen Emil August von Sachsen-Gotha-Altenburg in Gotha Einzug hielt. Mit dem Tag ihrer Trauung in Kassel wurde sie nicht nur Erbprinzessin eines alten deutschen Stammlandes, sondern auch Mutter der erst siebzehn Monate alten Prinzessin Luise aus der ersten Ehe ihres Mannes. Der Astronom auf dem Gothaischen Thron, ihr Schwiegervater Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1747-1804), schätzte seine Schwiegertochter weil sie „…ihrer Stieftochter Luise eine sorgsame, echt mütterliche Pflege angedeihen ließ, die unter ihrer Aufsicht zusehends gedieh und schon damals zu versprechen begann, was sie später gehalten hat: nämlich eine blühende Rose an Schönheit und Bildung unter Deutschlands Prinzessinnen“.

Im Jahr 1804 wurde aus dem Erbprinzenpaar das neue Herzogspaar von Gotha und bis zum Tod ihres Mannes 1822 begann unter der Fürsorge von Caroline Amelie eine regelrechte Blüte der Stadt. In Erinnerung an ihre Geburtsstadt Kassel wurden die alten Wallanlagen entfernt und es entstanden große breite Straßen, dicht von Bäumen besäumt, die Gotha ein stattliches Gepräge verschafften. Sie holte Louis Spohr als Kapellmeister nach Gotha, ließ das Deutsche Musikfest mit Carl Maria von Weber organisieren, gab der Malerin Louise Seidler lukrative Aufträge, förderte den Aufbau einer Kleinkinderbewahranstalt und den Bau einer Schule zur Ausbildung von Frauen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Da sie selbst keine Kinder zur Welt bringen konnte, wusste sie, dass mit ihrer Tochter Luise das alte Geschlecht von Herzog Ernst dem Frommen im Hauptstamm erlöschen wird. Umso mehr bemühte sie sich, ihre Tochter vor den Allüren all der vielen Männlichkeiten zu schützen, gerade deshalb, weil ab dem achten Lebensjahr der Erbprinzessin Luise die drei Söhne des unter Zwangsverwaltung stehenden Hauses Sachsen-Coburg-Saalfeld mit ständigen Besuchen in Gotha aufwarteten. Herzog Ernst III. von Sachsen-Coburg-Saalfeld, von russischen Zarentöchtern verschmäht, von der späteren holländischen Königin abgelehnt und in eine „unstandesgemäße“ Affäre mit Madame Panan in Paris verwickelt, ließ sich besonders oft in Gotha sehen. Als dann sein Bruder Leopold nach England heiratet, sein Bruder Ferdinand die reiche Erbin Ungarns zum Altar führt, wurde die Zeit knapp und er bedrängte das Gothaer Herzogspaar, das schließlich in die Ehe einwilligte. Dem Ehepaar wurden zwei Söhne geboren, die Herzogin Caroline Amelie zur liebenden Großmutter der Enkel Ernst (18718-1893) und Albert (1819-1861) machten. Ersterer wurde ab 1844 ihr letzter Herzog und zweiter, ihr Lieblingsenkel Albert, vermählte sich im Jahr 1840 mit der englischen Königin Victoria.

Im Sommer im Schloß Friedrichsthal und im Winter im Winterpalais wohnend, verbrachte Caroline Amelie ihre Witwenjahre, in dem sie einen gastfreundlichen Hof führte, an dem die Könige von Sachsen und Preußen mit ihren Familien, alle ernestinischen Herzöge und hessischen Landgrafen, aber auch der russische Zar mit seiner Frau und Mutter, die holländische Königin sowie viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens einkehrten. Letzter Höhepunkt ihres Lebens war sicherlich der Besuch von Queen Victoria und Prinzgemahl Albert sowie des belgischen Königspaares im August/September 1845.

Wenn Caroline Amelie mit ihrem Ehemann gern alles teilte und ihm in Liebe verbunden war, teilte sie keinesfalls dessen glühende Leidenschaft für Napoleon und versuchte auch bei dessen häufigen Besuchen in Gotha den Kontakt zu ihm zu meiden, weil er ihre Mutter des Landes verwies, der sie im Winterpalais über Jahre Zuflucht gewährte.

Fünf Herzöge sollte die Herzogin erleben, zuerst ihren Schwiegervater Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg, dann ihren Mann Emil August, dem folgte ihr Schwager Friedrich IV. von Sachsen-Gotha-Altenburg und 1826 gelang es ihrem Schwiegersohn Ernst, trotz der Trennung von der Tochter den Landesteil Gotha mit seinem reichen Erbe zu vereinen und es entstand das neue Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha, wo zuerst ihr Schwiegersohn als Herzog Ernst I. und ab 1844 ihr Enkel Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha regierten.

Caroline Amelie starb in Gotha als Letzte eines großen Namens am 22. Februar 1848, dem Tag des Ausbruchs der Februarrevolution in Paris, den ihr Enkel Ernst und seine Frau Alexandrine in London erlebten. Sie fand am 26. Februar auf der Begräbnisinsel im Englischen Garten der Gothaer Parklandschaft ihre letzte Ruhe. Die Stadt Gotha ehrte sie mit der Sanierung des Winterpalais und dessen Auszeichnung als „Bibliothek des Jahres 2020 in kleinen Kommunen und Regionen“, wo der Karolinenhof gern zum Lesevergnügen einlädt.

Die biografische Skizze mit Texten von Knut Kreuch und sechs Zeichnungen von Natali Schmidt ist zum Preis von 3,50 Euro im „Gotha adelt“-Laden erhältlich.